Reportagen.ru

Reportagen – Kino im Kopf – unterschiedliche Reportage-Traditionen in Russland und Deutschland, berühmte Reporter aus Ost und West

<<< Wer ist ein Reporter

Entwicklung der Reportage in Russland

Die ersten russischen Reportagenthemen der Zarenzeit wurden Gerichtsverhandlungen, Lokales, Verkehr und Kultur. Auch deutsche Medien des 19.Jahrhunderts wählten damals Stadtpolitik, Unterhaltung und Geschäftsleben als Reportagethemen.

In dieser Zeit wurde die Reportage in Russland als typisch für die Boulevardpresse verstanden. Auf diese Weise diskreditierte sich das Reportage-Genre.

Seit 1917 entwickelte sich der Journalismus in Russland auf autoritärem Wege, indem die sowjetischen Korrespondenten über gesellschaftspolitische Ereignisse ganz im Dienste des  neu gegründeten Staates schrieben. In Sowjetzeiten beschränke natürlich die KPdSU als einzige politische Partei die Ausdrucksmöglichkeiten journalistischer Eindrücke durch einen engen Rahmen des „politisch Korrekten“. Es gab jedoch eine Unmenge Reportagethemen, in denen die Erfolge beim Aufbau des Sozialismus besungen wurden.

In den 1920-1930-er Jahren kam die Person des Reporters in den Reportagen immer mehr zum Vorschein. Mehr und mehr kam zu den geschilderten Ereignissen auch die Analyse und Autorenmeinung hinzu. In den 20er Jahren wurde dem Begriff „Korrespondent” das Wort „Arbeiterkorrespondent“ gegenübergestellt. Der „Arbeiterkorrespondent“ sollte die Informationen liefern, der „Korrespondent“ dann  die Berichte nach diesen Meldungen schreiben. Mitte der 1920-er waren die Netze der sogenannten Arbeiterkorrespondenten  wichtige Lieferanten der Nachrichten von vor Ort. Sehr viele von ihnen waren nicht gebildet und konnten nicht schreiben, so dass sie oft die Information dem Korrespondenten nur mündlich mitteilten.

Am 23. November 1924  erschien die erste Rundfunkzeitung in Russland. Ursprünglich waren es direkte Übertragungen der Paraden auf dem Roten Platz, aber 1928 erschien die erste echte  Radioreportage “Moskaus Spaziergänge”, in der sich die Zuhörer Fabrik- und Bahnhoflärm mit Erläuterungen anhörten. Ihre Autoren sind unbekannt, aber ihr Werk war eine echte Sensation. Im Großen Vaterländischen Krieg (Zweiter Weltkrieg) 1941-1945 entwickelte sich vor allem die Kriegsreportage.

Warum sind Reportagen so beliebt
bei den Lesern

Die Reportagen erzählen über subjektive Erlebnisse, die oft zu Storys werden. Mehrere solche Geschichten tragen dann zum eigenen Lebensverständnis des Lesers bei. Eine wahrheitsgetreue spannende Reportage über das Erlebte weckt den Wunsch, die ganze Welt für sich zu entdecken. 
Die persönlich gefasste Information erhöht die Aufmerksamkeit des Lesers in hohem Maße, erweckt sein Interesse und vermittelt ihm auch die Emotionen zum Text. Eine Reportage lässt das Geschehnis hautnah erleben, sie unterhält und erregt, ist sehr nah zum echten Schriftstellerberuf.

Bekannte russische Reporterinnen
und Reporter

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden solche russische Reporter bekannt wie Boris Gorbatow, Jakow Iljin und Sergei Tretjakow. Während des Zweiten Weltkrieges berichteten Кonstantin Simonov, Boris Polewoj, Michail Kolzow u.a. von den Fronten. Genau so wie Erwin Kisch nannte man Michail Kolzow den „rasenden Reporter”. Er arbeitete in der Zeitung „Prawda“ und gründete 1923 die Wochenzeitschrift “Ogonjok”, die bis heute immer noch viele Reportagen publiziert.

Im heutigen Russland sind solche Journalisten bekannt wie Wladimir Posner (Pozner), Swetlana  Sorokina, Leonid Parfenow, A. Solojow u.a.

In Deutschland sind Journalisten wie Peter Scholl-Latour ein Begriff, der für seine Arbeit durch viele Journalistenpreise ausgezeichnet wurde.  Zu den bekanntesten Reportern gehören der Weltbürger Egon Erwin Kisch, die „Edelfeder“ Marie-Luise Scherer und der österreichische Reporter, Schriftsteller und Politiker Max Winter, der als der Schöpfer der Sozialreportage im deutschsprachigen Raum gilt u.a. Einer der talentiertesten Reporter der Gegenwart war sicherlich unser Kollege Volker Handloik, der leider 1991 bei einem Einsatz in Afghanistan erschossen wurde.

Reportage-Preise

Vielen Journalisten wollen Reportagen schreiben, aber nicht jeder kann es. Für deutschsprachige Reportagen wird jährlich der Egon-Erwin-Kisch-Preis im Rahmen des Henri-Nannen-Preises vergeben. Der Henri-Nannen-Preis wird seit 1977 verliehen und ist die angesehenste Ehrung in der Branche. Hauptsächlich werden damit Magazinjournalisten von “Geo”, “Spiegel”, “Stern” und Korrespondenten von  der “Sueddeutsche Zeitung”ausgezeichnet. http://www.science-journalism.ch/html/stipendien+85.html

Der einzige weltweite Reportageliteraturpreis „Lettre Ulyssees Award. for the Art of Reportage“ gilt bei vielen als der „Nobelpreis für Reportageliteratur“. Er ist ein seit 2003 von der europäischen Kulturzeitschrift Lettre International alljährlich verliehene Literaturpreis.

In Russland hat seinen Reporter-Preis der Fernsehsender NTV gegründet http://konkurs.ntv.ru/, für Journalisten im Nord-Westen Russlands gibt es den „Matwej-Frolov-Preis“ http://www.nevskoevremya.spb.ru/cgi-bin/pl/nv.pl?art=254251098.

2006 hat russische Journalistin Anna Politkowskaja  den „Freedom of  Speech Award“ postum bekommen http://2006.novayagazeta.ru/nomer/2006/92n/n92n-s05.shtml.

Im Rahmen des Russlandsjahres in China 2006 ist auch  die beste chinesische Reportage über Russland  gewählt worden http://russian.china.org.cn/china/txt/2006-2/07/content_2279380.htm.

Aktuelle Reportagen über Russland

Kumys – Stutenmilch der Steppenvölker
Lettland: Museum wirft Besucher hinter Gitter
Das Wunder vom Baikalsee: Der ewige Lama Itigelow
Baikonur – Sternenstädtchen in der Steppe