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Reportagen – Kino im Kopf – unterschiedliche Reportage-Traditionen in Russland und Deutschland, berühmte Reporter aus Ost und West

Als Reportage (von lat. reportare = zusammentragen, zurückbringen) bezeichnet man im Journalismus eine räumlich wie zeitlich begrenzte Geschichte, die subjektiv Aussagen enthält und nicht immer einem chronologischen Verlauf folgt (wikipedia.de).

Beispiel: Die Meldung lautet „Ein Haus ist abgebrannt.“ Die Reportage beschreibt detailliert, wie es darin aussieht und versucht, beim Leser „Kino im Kopf“ ablaufen zu lassen. Der Reporter schildert die „versengten, schwarzen Treppengeländer, denen man nur schwer ansieht, dass sie aus Holz sind“...

Wer ist ein Reporter

Ein Reporter ist ein Vermittler zwischen dem Künstler und der Leserschaft, soll eine  intelligent und geistig entwickelte Person sein, um sich bei beliebigen Umständen in der Situation orientieren zu können und den Kern der Sache richtig zu verstehen. Die aktive Rolle eines Reportes besteht in seiner subjektiven Auswahl, was am Geschehen wichtig und interessant ist und weitergegeben werden soll.

Als Alternative zu der konservativen, sehr theoretischen Auffassung entwickelt sich in der letzten Zeit hat sich in Russland auch die praktischen Journalistik. Schreiben zu können ist für den Journalisten eine Grundvoraussetzung, aber nicht die einzige. Ein moderner Journalist muss es schaffen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, die Information zu recherchieren, soll  allgemein gebildet sein und es verstehen, sich jeder Situation anzupassen.

Themen einer Reportage

Zur Reportage kann man verschiedene Themen wählen - Lebensgeschichten, Reisen, Arbeitsprozesse, aktuellen Ereignisse, die sich personifizieren lassen. Dabei stehen der persönliche Blick und persönliche Eindrücke im Vordergrund. Eine Reportage entwickelt ein Thema, indem sie ein Problem und die Beziehung der Menschen dazu darstellt, den Hintergrund und die Unstände schildert.

Wie macht man eine gute Reportage

Reportagen gelingen nur richtigen Fachjournalisten mit viel Erfahrung und präziser Denkweise. Eine der Grundregeln für eine Reportage sind die Antworten auf W-Fragen (wer-was-wo-wann-warum-wozu). Die Sprache soll bildlich und anschaulich sein, klar und verständlich, möglichst kurze Sätze, aber mit Zitaten und direkter Rede.

Der erste Satz der Reportage ist besonders wichtig – er bestimmt, ob der Leser weiter lesen würde. Normalerweise fängt eine Reportage mit einer Situation an, in der das Wesentliche verdichtet ist. Sie endet auch mit einem ähnlichen Bild, so eine Rahmenkonstruktion bildend.

Deutsche & russische Reportagetradition

In Russland bezeichnet man den Autor der Reportage als Journalist, Autor, Erzähler, Korrespondent. Im Deutschen sagt man dazu einfach Reporter oder Journalist. Dies verweist auch auf den prinzipiellen Unterschied in den Traditionen der russischen und der deutschen Journalistik. Die Russische wird oft als Meinungsjournalistik verstanden und die deutsche behält ihre Distanz zu den Geschehnissen.

Während in der deutschen Journalistik generell eine Trennung von Meinung und Meldung gefordert wird, damit sich der Leser selbst ein Bild machen kann – und nur in der Reportage eine Vermischung zulässig ist, gilt diese Trennung in russischen Medien nicht so.

Das russische Wort “репортаж” ist der deutschen “Reportage” zwar ähnlich, aber die journalistischen Begriffe stimmen in Russland und Deutschland nicht überein. Die russische und deutsche  Journalistik haben gleiche aber auch unterschiedliche Entwicklungswege. Der wichtigste Unterschied besteht wohl darin, dass in der deutschen Tradition der „Berichterstattung“ und auch der Reportagen vor allem die  Tatsachen im Vordergrund stehen, während der russische Journalist vor allem Bilder, Meinungen und Vorstellungen für den Leser vermittelt.

Eine Reportage unterscheidet sich in der deutschen Journalistik von einer Feature, die einer Reportage zwar ähnlich ist, aber mehr auf einer persönlichen Meinung zugespitzt ist.

Manche europäische Experten bezeichnen den russischen Journalismus generell als „Meinungsjournalismus“, wobei die Person und die Meinung des Autors in den Vordergrund tritt. Andrej Kobjakow, Autor des Internetportals Mediasprut.ru stimmt den westlichen Kollegen zu und hält die Vermischung aller Genren für ein Problem der russischen Journalistik. Wenn sich in einem Material Meldung und Kommentar vermischen, kommt die Information schon bewertet vom Autor zum Leser.

Entwicklung der Reportage in Russland >>>